„Girl“ läuft im „Queer Cinema“

Die 15-jährige Lara (Victor Polster) kämpft auch in der Ballettschule für ihren Traum, endlich ein Mädchen werden zu dürfen. Foto: Universum Film

Menschliches Schicksal hinter der Debatte

Die gendergerechte Sprache mit ihrem Sternchen oder dem Lübecker Doppelpunkt, das dritte Geschlecht, Toiletten für alle und verhärtete Fronten auf der konservativen und der liberalen Seite: Beim ganzen Trubel um das Für und Wider einer offenen Gesellschaft wird schnell vergessen, das hinter all den vermeintlich korrekten Bezeichnungen Menschen stehen. Eines dieser Schicksale beleuchtet der Film „Girl“ nun auf eindrucksvolle Weise. In seinem Film folgt Regisseur Lukas Dhont der 15-jährigen Lara. Das Mädchen lebt ein Leben wie Millionen andere Teenager, stammt aus einer zerrütteten Familie, tanzt Ballett. Und doch ist Laras Leben alles andere als normativ: Die junge Frau ist ein sogenannter Transmann. Ein Junge also, der im falschen Körper geboren wurde und sich nun auf seine geschlechtsangleichende Operation vorbereitet.

Geschlechtsumwandlung mit 15 Jahren

Lara ist 15 und hat einen Traum: Sie will Balletttänzerin werden. Als sie an einer renommierten Akademie unter Vorbehalt angenommen wird, zieht sie mit ihrem Vater und ihrem kleinen Bruder nach Brüssel. Währenddessen versucht Lara noch einen zweiten Kampf zu gewinnen: Sie will sich einer Geschlechtsumwandlung unterziehen. Äußerlich ist sie bereits ein Mädchen, doch ihr Körper ist noch der eines Jungen. Ihr Vater unterstützt sie bei ihrem Vorhaben, begleitet seine Tochter bei jedem Schritt und ist für sie da, genau wie Psychologen und Ärzte. Doch der Leistungsdruck auf die junge Ballerina ist enorm und nebenbei wird Lara durch ihre Mitschülerinnen und Mitschüler ins heiß-kalte Wasser der Pubertät geworfen. Das kräftezehrende Training zwingt Lara schließlich zur Selbstkasteiung, mit der sie wiederum ihre Operation aufs Spiel setzt. Ihre beiden großen Träume scheinen sich immer mehr zu widersprechen. Als die Ärzte ihr schließlich das Ballett verbieten, trifft Lara eine folgenschwere Entscheidung, mit der sie endgültig zur Frau werden will.

Victor Polster: Sensationelles Schauspieldebüt

„Girl“ ist großes europäisches Kino, das dem Zuschauer mit seiner realistischen Erzählweise aus der Sicht Laras einiges abverlangt. Für seine Regie erhielt der erst 27-jährige Filmemacher Lukas Dhont die Caméra d’Or und die Queer Palm. Der junge Tänzer Victor Polster gibt als Lara ein sensationelles Schauspieldebüt. Mit seiner beeindruckenden Leistung zieht er die Zuschauer in diesen wichtigen Film. Oliver Pries

Achtung: Wegen der Corona-Pandemie findet die Vorführung nicht statt. „Girl“ ist aber im Stream erhältlich, bei Amazon Prime Video sogar in der Flatrate.

(Foto: Universum Film)

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